Gastbeitrag - DI Dr. Martin Manninger/GF wertsache.at
Vor allem die Begriffe "investieren" und "spekulieren" werden oft vermischt. Dies lässt sich damit begründen, dass beide Motive oft in Kombination vorkommen. Umso wichtiger ist es, sich selbst klar zu werden, welches der beiden für eine Entscheidung ausschlaggebend ist. Mindestens gleich wichtig ist es, beide streng vom "Konsumieren" zu trennen.
Spekulieren
Um gleich einmal mit einem Vorurteil aufzuräumen: Spekulieren ist nicht böse! Im Allgemeinen geht es darum, eine künftige Entwicklung und konkret ein künftiges Preisniveau korrekt zu prognostizieren. Insofern erfüllt der Spekulant eine wichtige Aufgabe, denn er trägt dazu bei, dass die Wirtschaft weniger stark von Entwicklungen überrascht wird. Ein Beispiel aus der Landwirtschaft ist, dass bei Erwartung einer schlechten Ernte die Preise schon vorher steigen, weil eine Knappheit erwartet wird und sich alle Beteiligten bereits darauf einstellen. Durch den Preisdruck wird dann rechtzeitig der Verbrauch gesenkt oder auf einen anderen Rohstoff umgestellt werden.
Ein Spekulationsgeschäft hat jedoch eine wesentliche Eigenschaft: Der Gewinn des einen ist der Verlust des anderen Geschäftspartners. Der Kuchen wird durch eine Spekulation nicht größer. Kauft man sich beispielsweise einen Goldbarren, so liegt dieser faul herum und ist nach zehn Jahren immer noch derselbe Goldbarren. Ist zu diesem Zeitpunkt der Goldpreis höher, hat der Käufer des Goldbarrens einen Gewinn, und derjenige, von dem er ihn gekauft hat, hat einen gleich hohen Verlust.
Investieren
Investieren ist das Verwenden von Kapital für die Schaffung von Strukturen, die in der Folge etwas produzieren, das im Endeffekt einen Nutzen hat, der auch bezahlt wird. Darunter fällt (immer noch) auch ein Sparbuch, denn auf Umwegen landet zumindest ein Teil des Kapitals in der Wirtschaft und kann nutzbringend verwendet werden. Direkte funktioniert es über Aktien, und nachdem dort nicht so viele Kapital-Zwischenhändler (Banken etc.) mitwirken, sind die Renditen für den Anleger höher. Das Investieren ist generell nachhaltig und dient der Weiterentwicklung, beispielsweise kann in einem Unternehmen eine neue Produktionsanlage in Betrieb genommen werden, die die Ressourcen besser nutzt, oder ein neuer Verkehrsweg verkürzt die Transportzeiten und damit den Energieverbrauch.
Insbesondere bei Kapitalanlagen gibt es oft die Motive des Investierens und des Spekulierens nebeneinander. Man entscheidet sich für eine bestimmte Aktie oder einen Branchenfonds, weil erstens gute Erträge erwirtschaftet werden und zweitens eine überproportionale Kurssteigerung erwartet wird. Dagegen ist nichts einzuwenden, im Gegenteil ist eine solche Kombination sogar ideal. Jedoch sollte man das primäre Motiv festlegen, damit man im Falle von Kursrückgängen passend reagieren kann.
Geht es primär um das Investieren und ist das Geschäftsmodell des Unternehmens bzw. der Branche intakt, dann sollte man zwischenzeitliche Kursrückgänge nicht beachten. Geht es primär um das Spekulieren, dann sind die Kursbewegungen wichtig, denn es geht auch darum, Verluste zu begrenzen und/oder das Kapital für eine andere, bessere Spekulation freizumachen.
Konsumieren
Konsumieren heißt, Kapital für etwas zu verwenden, das in der Folge verbraucht wird. Ein finanziell messbarer Ertrag entsteht dabei nicht, und auf eine Preissteigerung des erworbenen Guts spekuliert man auch nicht. Klassische Konsumartikel sind Lebensmittel und andere Verbrauchsgüter, aber auch Autos und Möbel fallen in diese Kategorie.
Wenn jemand sagt, er investiert eine bestimmte Summe in eine neue Küche, ist das also streng genommen nicht richtig, denn die neue Küche bringt weder einen Ertrag noch steigert sie den Wert der Wohnung um mehr als die Anschaffungskosten der Küche - ganz im Gegenteil! Man kann die neue Küche nur dann als Investition einstufen, wenn durch vermehrtes Kochen die Restaurantbesuche und andere Verpflegungskosten reduziert werden, sodass die Küche aus dieser Kostensenkung einen Ertrag abwirft. Dabei ist jedoch zu hinterfragen, ob das nicht auch mit der alten Küche möglich gewesen wäre?
Fazit
Wichtig ist also, sich bei finanziellen Entscheidungen möglichst klar darüber zu sein, auf welche Art und mit welchem Motiv das Kapital eingesetzt wird. Beispielsweise ist der Kauf einer Immobilie zur Eigennutzung meist eine Kombination aus Konsumieren (des mit der Zeit abgewohnten Gebäudes) und Spekulieren (auf steigende Grundstückspreise).
Investieren ist es nur dann, wenn sich durch die Ersparnis einer alternativen Miete insgesamt ein positiver Ertrag ergibt. Dazu passt das Zitat von Henry Ford: "Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt." Auch der Staat täte gut daran, seine Ausgaben aus diesem Gesichtspunkt zu durchforsten. Bessere Bildung für junge Menschen würde ich genauso als Investition anerkennen wie eine Verbesserung der Infrastruktur. Ein staatlicher Zuschuss zum (eigentlich umlagebasierten) Pensionssystem ist hingegen Konsum.
Herzlichst, Dr. Martin Manninger




